UKE 80: Churchills Land Rover

Für die Nachwelt gerettet

Jahrzehntelang lag Churchills Land Rover im Dornröschenschlaf. Verdreckt, vor sich hinrostend, vergessen. Wachgeküsst haben ihn die Oldtimerrestaurateure der Emil Frey Classics AG – unter Aufwendung ihres ganzen Könnens!

Wunderprächtig steht Winston Churchills dunkelgrüner Land Rover mit Jahrgang 1954 und dem Nummernschild «UKE 80» im Foyer des Oldtimermuseums in Safenwil. In stimmigem Ambiente in Szene gesetzt. Ein verschmitzt lächelnder Churchill mit Hut und obligater Zigarre gehört ebenso dazu wie sein Pudel Rufus. Der restaurierte «Landy» ist der ganze Stolz der Emil Frey Classics AG. Seine Ankunft in Safenwil Ende 2012 war weit weniger glanzvoll.

«O mein Gott!», dachte Geschäftsführer Thomas Valko beim ersten Augenschein. Das Fahrzeug war verdreckt, die Stossstange verbeult, die Stahlteile waren teilweise durchgerostet, Gummiteile einfach zerbröselt – ein Scheunenfund eben! Immerhin, der Motor sprang sofort an, und bis auf den Dachaufbau schien alles durchgehend original zu sein. Die Restaurierung in der firmeneigenen Oldtimerwerkstatt würde eine gewaltige Herausforderung werden. Andererseits sah Valko gerade darin eine grosse Chance: Falls es gelänge, den Land Rover nach allen Regeln der Kunst zu neuem Leben zu erwecken, wäre nicht nur ein Stück Geschichte für die Nachwelt gerettet worden – die Spezialisten der noch jungen Emil Frey Classics AG hätten damit auch ihre handwerkliche Meisterprüfung abgelegt. Der Ehrgeiz war geweckt.
 

Eine spannende Geschichte steckt hinter dem Land Rover Series I. 1954 schenkte Rover dem britischen Premier Winston Churchill das Fahrzeug zum 80. Geburtstag. Das Nummernschild lautete auf «UKE 80». Die Anhänger des legendären Staatsmannes, der sich 1940 als Retter Europas hervorgetan hatte, lesen dies als «United Kingdom Empire». Folgerichtig stände die Zahl 80 für Churchills runden Geburtstag. Der offene Land Rover verfügte unter anderem über einen extrabreiten Beifahrersitz sowie eine Zusatzheizung für den Fussraum. Beides war nicht Serie.
 

Land Rover Series 1 mit Winston Churchill und seinem Pudel Rufus im Classic Car Center in Safenwil.

In historischem Kontext inszeniert: Sir Winston Churchill mit Pudel Rufus und seinem Land Rover UKE 80 im Foyer des Oldtimermuseums Safenwil.

Technikbegeisteter Politiker

Churchill, der nach mehreren Herzinfarkten nicht mehr gut zu Fuss war, sass nie selbst am Steuer, sondern liess sich standesgemäss chauffieren. Dank dem geländegängigen Fahrzeug konnte er wieder alle Ecken seines Landgutes Chartwell in Südengland inspizieren.
Spitzbübisch wies der technikbegeisterte Premier den Fahrer mitunter an, auch tiefsten Morast zu durchfahren, um die Grenzen des Allradlers auszuloten – was nicht immer gut ging: Mehrmals sass der Land Rover im Schlamm fest und musste von den auf der hinteren Sitzbank Mitfahrenden angeschoben werden.

Nach Churchills Tod 1965 ging der Land Rover zunächst an seinen Schwiegersohn Christopher Soames, später ersteigerte ihn der Farmer Frank Quay aus Sevenoaks für 320 Pfund. Ihm leistete der «Landy» noch einige Jahre gute Dienste, so dass schliesslich fast 13‘000 Meilen auf dem Tacho zusammenkamen. Ab 1977 fiel «UKE 80» in einen jahrzehntelangen Dornröschenschlaf, abgestellt in einer Scheune.
Als der weitgehend originale Land Rover am 20. Oktober 2012 bei der Cheffins Automobil-Auktion in Cambridgeshire zum Aufruf kam, schlug die Stunde des Unternehmers Walter Frey. Als erklärter Bewunderer des Politikers und Feldherrn war es ihm eine Herzensangelegenheit, das Fahrzeug zu retten und zu restaurieren.
 

Der noch nicht restaurierte Land Rover Series 1.

So sah Churchills Land Rover aus, als er im Herbst 2012 in Safenwil eintraf.

Der komplett restaurierte Land Rover Series 1.

So sieht das Meisterstück heute aus, nach über einem Jahr akribischer Höchstleistung der Experten.

Mit den üblichen Gebrauchsspuren

Für die Spezialisten der Oldtimerwerkstatt und der Roos Engineering Ltd. war klar, dass der Land Rover nicht «überrestauriert» werden sollte. «Wir wollten ihn wieder in Zustand versetzen, wie er nach zehn Jahren in Churchills Besitz hätte aussehen können, also zum Zeitpunkt seines Todes», erklärt Thomas Valko. Mit den üblichen Gebrauchsspuren. Karosseriespengler, Fahrzeuglackierer und -elektriker, Automechaniker, Sattler und Ersatzteillieferanten machten sich an die Arbeit.

Zudem wurden Kenner der Marke konsultiert. Denn diese wissen zum Beispiel, ob ein Anbauteil geschraubt oder genietet war. Von unschätzbarem Wert erwies sich dabei die Expertise des Engländers Philip Bashall, Herr über eine Sammlung von hundert historischen Land Rovers und Range Rovers. Mit seiner Hilfe konnten auch originale Ersatzteile mit korrektem Produktionsdatum beschafft werden. «New Old Stock», wie es im Fachjargon heisst, also in etwa «neu aus altem Lagerbestand».
 

Vom Scheunenfund zum Museumsstar: Der «UKE 80» wurde von kiloschwerem Schmutz befreit, fachmännisch zerlegt und so original wie möglich wieder zusammen gebaut. Heute würde er auch seinem prominenten Erstbesitzer wieder viel Freude machen.

Rund tausend Stunden dürften zusammengekommen sein, um den Land Rover komplett in seine Bestandteile zu zerlegen und in kniffliger Arbeit wieder zusammenzubauen. Den 1,6-Liter-Vierzylinder-Motor brachte der Aston-Martin-Heritage-Spezialist Roos Engineering Ltd. auf Vordermann. Eingefahren wurde er auf dem Motorenprüfstand, wo sonst grosse Aggregate von historischen Sportwagen auf Herz und Nieren geprüft werden. Nun läuft das Auto wieder wie am ersten Tag.

Nach knapp eineinhalb Jahren, rechtzeitig zur Eröffnung des Oldtimermuseums im April 2015 erstrahlte Churchills Land Rover in neuem Glanz. Dabei dient er nicht nur als Aushängeschild der Ausstellung: 2015 fuhr er am Goodwood Revival in der Parade zum Ende der Land-Rover-Produktion mit, und auch letztes Jahr, anlässlich der 70-Jahr-Feier von Churchills Besuch in Zürich, hatte der Land Rover auf dem Münsterhof seinen Auftritt.
 

Aussenansicht des Classic Car Centers in Safenwil.

Das Classic Car Museum

Das Museum ist Teil des internationalen Kompetenzzentrums der Emil Frey Classics AG mit Oldtimerhandel, -werkstatt und –hotel sowie dem Event Center Schweiz.

 

GeöffnetDi – Fr 10 – 18 Uhr
Sa 10 – 16 Uhr
EintrittspreiseCHF 10.– (Erwachsene)
CHF 5.– (Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre)
FührungenAuf Anfrage, ab 10 Personen
KontaktTel. 062 788 79 20



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