Ein Hightech-Trainer:

Für die Rennen vor den Rennen

In einem professionellen Rennsimulator können die Piloten von Emil Frey Racing künftig alle Rennstrecken besser kennenlernen als ihre eigenen Overalltaschen – lange bevor sie dort tatsächlich starten

Keine noch so kleine Bodenwelle, Spurrille oder Querfuge im Rennstreckenasphalt entgeht dem Rennsimulator. Dabei dämpft er sie genau so, wie es seine Fahrwerkseinstellungen zulassen. Verpasst der Pilot im «Sim» einen Kurvenscheitelpunkt, verfehlt er die Ideallinie oder prescht über die rot-weissen Curbs – sechs computergesteuerte mächtige Hydraulikstössel hämmern jede Bewegung, die seine Manöver auch real auslösen würden, schonungslos in das halbe GT3-Chassis, durch das knochige Rennlenkrad und den harten Carbon-Schalensitz direkt zum Rennfahrer. «Einzig die Fliehkräfte beim Beschleunigen, Bremsen oder Kurven fahren kann er nicht simulieren», erklärt Teamchef Lorenz Frey die Maschine.

 


Vier Wochen hat die Installation des Hightech- Rennsimulators in einem extra dafür konzipierten Raum im neuen Trainings- und Entwicklungszentrum des Emil Frey Racing Teams in Safenwil gedauert. Drei Hochleistungsbeamer projizieren die gewählte Rennstrecke samt ihrer Umgebung während der Fahrt originalgetreu, so wie der Pilot sie in Abhängigkeit seiner Geschwindigkeit tatsächlich sehen würde, auf die konkav gewölbte 180-Grad-Leinwand vor dem GT3-Cockpit. Synchron dazu simuliert die massive Hydraulikkonstruktion darunter die gezeigte Rennstrecke, ebenfalls in Abhängigkeit der Geschwindigkeit, aber auch der gefahrenen Linie und sogar des gewählten Autos. Neben Federbewegungen werden ausserdem das Lenkgefühl und die Gängigkeit von Brems- und Gaspedal exakt simuliert. Möglich wird das durch die Telemetriedaten des gewünschten Autos sowie des quadratzentimetergenauen Computerscans der jeweiligen Rennstrecke, die ein zentraler Hochleistungscomputer in Echtzeit verarbeitet. «Sogar die Stellung des Heckspoilers, den Luftdruck und die Temperatur der Reifen, den Sturz der Räder und das daraus resultierende Grip-Niveau können wir berücksichtigen und ändern, so dass wir im Simulator schneller werden. Sämtliche Einstellungen können wir dann für das echte Rennauto übernehmen, um damit auf der Rennstrecke ebenfalls schneller zu sein», erklärt Lorenz Frey.

 

 

Um den echten GT3-Boliden des Teams schon beim Einsteigen möglichst nahezukommen, ist die hydraulische Technik des Simulators in einer Grube versenkt. «Dadurch steht das Simulator – Cockpit in einer normalen Höhe – wir sind die Ersten, die das so installiert haben», sagt Lorenz Frey und ergänzt, dass das Grubenfundament aus einer besonderen Stahlbetonkonstruktion besteht, die nahezu keine Vibrationen absorbiert. Die Investition in den professionellen Rennsimulator ist ein wichtiger Schritt für das Team: «Jetzt können wir unseren GT3-Jaguar und den GT3-Lexus bereits in Safenwil für die Rennen abstimmen. Das spart am Rennwochenende viel Zeit. Zudem können wir die Fahrzeuge weiterentwickeln, und die Fahrer sind auf den Rennstrecken sofort schnell, weil sie diese bereits bis ins Detail kennen.»