Die faszinierende Welt klassischer Automobile

Ende Juni ist in Safenwil das internationale Kompetenzzentrum für Oldtimer der Emil Frey Classics AG eröffnet worden. Angegliedert ist ein Eventbereich, der seinesgleichen sucht.

In zweijähriger Bauzeit ist beim Bahnhof Safenwil, auf dem Areal einer ehemaligen Textilfabrik, das Classic Center Schweiz errichtet worden. Der renovierte Altbau, ein Werk des Zürcher Architekten und nachmaligen «Landi»-Direktors Armin Meili, bildet mit der neuen Eventhalle ein stimmiges architektonisches Ensemble. Dabei erinnert der Neubau an eine Industriebaute aus der Gründerzeit – eine Reminiszenz an die abgerissene Schedhalle.

Im Altbau ist auf drei Etagen das Classic Car Museum untergebracht. Hier werden bis zu 60 chrom- und lackglänzende Oldtimer aus der Emil Frey Sammlung ausgestellt. Die Exponate, vorwiegend englischer und japanischer Provenienz, repräsentieren rund 90 Jahre Autogeschichte. Das älteste Fahrzeug, ein Chrysler Six Model B, stammt von 1924, dem Gründungsjahr der Emil Frey AG. Das neue Museum ist ein lohnendes Ausflugsziel für alle Autobegeisterten. Für Familien und Autoclubs, aber auch für Schulklassen, welche die Automobilgeschichte der vergangenen neun Jahrzehnte aufbereiten möchten: Design, Technologie, Marken.

 

Churchills Land Rover als Highlight

Herausragende Exponate sind etwa Winston Churchills geschichtsträchtiger Land Rover UKE 80 aus dem Jahr 1954, der in nur 351 Exemplaren gebaute Toyota 2000 GT (1969), ein Jaguar XK 120 (1948) mit elegant geschwungener, vollständig aus Alu gefertigter Karosserie, ein technisch revolutionärer Austin Mini Cooper 1275 S (1965) oder Bernhard Russis roter Subaru 1600 AWD. Der unscheinbare Kombi mit dem legendären Kontrollschild «UR 5000» – dieses ist ein Geschenk der Urner Regierung, nachdem Russi in Gröden Abfahrtsweltmeister geworden war – zählt zu den bekanntesten Autos der Schweiz. Auf interaktiven Touchscreen-Stationen ist die Geschichte zu den Exponaten abrufbar. Der Museumsstandort ist nicht zufällig gewählt : Im Laufe von sechs Jahrzehnten entstand in Safenwil ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt der schweizerischen Autobranche. Hier schlägt das Herz der Emil Frey Gruppe. Der Blick von Oldtimerbesitzern dürfte denn auch über die Bahngleise hinweggehen. Schräg vis-à-vis, ebenfalls in einem Neubau, wurden die bisher verteilten Aktivitäten der Oldtimerwerkstatt der Emil Frey Classics AG und der Roos Engineering Ltd, des renommierten Spezialisten für Aston Martin und Lagonda, zusammengeführt.

Auf nahezu 3000 Quadratmetern sind Servicewerkstätten, Elektrowerkstatt, Spenglerei, Ersatzteillager, Fahrzeugablieferungsraum und Büros untergebracht. Besonders stolz sind die Spezialisten auf den Motorenprüfstand. Hier können Motoren aller Epochen eingefahren sowie auf Herz und Nieren geprüft werden.

Das erklärte Ziel von René Gauch, des Verantwortlichen für die Werkstätten, ist es, einen «One-Stop-Shop» zu schaffen. Dieser der Fliegerei entlehnte Begriff drückt aus, dass alle Dienstleistungen bis hin zu Komplettrestaurierungen aus einer Hand erbracht werden. In der Halle nebenan befindet sich das Oldtimer-Hotel. In der überwachten Halle können rund 50 in die Jahre gekommene Gäste über den Winter oder ganzjährig eingestellt werden. Die Fahrzeuge werden regelmässig kontrolliert und auf Wunsch auf einen vereinbarten Zeitpunkt hin bereitgestellt.

 

Für die Nachwelt gerettet

Ein Meisterstück lieferte die Oldtimerwerkstatt mit Churchills Land Rover ab. Unter Aufbietung ihrer ganzen Handwerkskunst gelang es den Spezialisten, ein Stück Geschichte für die Nachwelt zu retten. Das Fahrzeug mit dem Kontrollschild «UKE 80» war ein Geschenk der Firma Rover zum 80. Geburtstag des britischen Premierministers, damit dieser, bereits herzkrank, sein Landgut Chartwell in der Grafschaft Kent leichter erkunden konnte. Nach Churchills Tod fiel das Fahrzeug bald in einen Dornröschenschlaf es rostete in einem offenen Schuppen vor sich hin.

Vor drei Jahren stiess der Land Rover zur Emil Frey Classics Sammlung. Die aufwändige Restauration verstand der Unternehmer Walter Frey nicht zuletzt als Akt der Ehrerbietung gegenüber jenem Mann, der sich als einer der Retter Europas im Zweiten Weltkrieg verdient gemacht hatte. Anfang 2015 absolvierte der wiederauferstandene Land Rover seine erste Probefahrt, nun steht er – mit angemessener Patina – im Eingangsbereich des Classic Center Schweiz.

 

Platz für bis zu 500 Personen

Wieder zurück auf die Bahnhofseite, ins spektakuläre Event-Center. Im Erdgeschoss, hinter den grossen Fenstertüren, geht der Oldtimerhandel vonstatten. Eine Hebebühne erlaubt es, die Fahrzeuge bequem und verrenkungsfrei unter die Lupe zu nehmen. Über breite Aufgänge ist die Eventhalle erreichbar, mit dem offenen hölzernen Dachstuhl eine wahre Augenweide. Sie bietet den perfekten Rahmen für Anlässe aller Art. Von Produktepräsentationen über Seminare und Kongresse bis zu Banketten. Der unterteilbare Raum ist mit modernster Tagungs- und Eventtechnik ausgerüstet und bietet bis zu 500 Personen Platz.

Der ganz besondere Stolz von Thomas Valko, Geschäftsführer der Emil Frey Classics AG, ist jedoch der exklusive Clubraum im Dachgeschoss des Altbaus – mit Bar, Galerie, Cheminée, Smokers-Lounge, Videoraum und Terrasse, die den Blick freigibt auf die Emil-Frey-Autowelt. Der ideale Ort für ungestörte Sitzungen, Retraiten oder Festivitäten im kleinen Rahmen. Wer will, kann den eigenen Dreisternekoch gleich mitbringen . . .

 

Infos zum Dienstleistungsangebot des Classic Center Schweiz und des Event- Center Safenwil unter:

 

www.emilfreyclassics.ch

 

www.roosengineering.ch

 

www.eventcentersafenwil.ch

 

 

Ein Besuch im Museum

Öffnungszeiten: Dienstag–Freitag, 10–18 Uhr, Samstag 10–16 Uhr
Eintrittspreise: CHF 10.– (Erwachsene), CHF 5.– (Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre);
Gruppen: ab 20 Personen CHF 180.–
Führungen: Nach vorheriger Absprache, ab 10 Personen.
Kontakt Telefon 062 788 79 20, E-Mail: infoemilfreyclassicsch
Verpflegungsmöglichkeiten Caféteria mit Snacks im Haus.