Die Zukunft hat begonnen

Vor rund 15 Jahren der Vollhybridantrieb, jetzt das Wasserstoffauto: Mit dem Mirai beweist Toyota einmal mehr seine technologische Führerschaft. Die Kompaktlimousine stösst lediglich Wasserdampf aus.

Die Autozukunft ist da – und die heisst Mirai (japanisch für Zukunft).

Davon zeugen allein schon seine so aerodynamisch wie futuristischen Formen. Die eigentliche Mobilitätsrevolution liegt jedoch versteckt im Unterboden des viersitzigen Fahrzeugs: Eine Brennstoffzelle, ein elektrochemisches Kraftwerk, erzeugt kaum hörbar aus Wasserstoff und Sauerstoff aus der Umgebungsluft Strom für den 154 PS starken Elektromotor.

Das erste Serienauto mit dem hocheffizienten Wasserstoffantrieb stösst keine umweltschädigenden Abgase aus; dem Auspuff entweicht lediglich Wasserdampf. Dabei fährt sich der Mirai wie ein normales Auto mit stufenlosem Automat, eine gehörige Portion Fahrspass inklusive. Denn der Elektromotor erweist sich als äusserst agil. Den Paradesprint absolviert der Fronttriebler in 9,6 Sekunden, erst bei 178 km/ h bleibt die Tachonadel stehen.

Grosse Reichweite
Der entscheidende Unterschied zu den batteriebetriebenen Stromern liegt in der Reichweite: Während herkömmliche E-Autos spätestens nach 150, 200 Kilometer an die Steckdose müssen, fährt der Mirai mit den fünf Kilo Wasserstoff, die in den 120-Liter-Tank passen, rund 500 Kilometer weit, und das Betanken geht annähernd so schnell wie bei einem Benzin- oder Dieselauto. Beanspruchte die Brennstoffzellentechnik bis vor ein paar Jahren noch den gesamten Wagenboden, so entspricht das im Mirai eingebaute System eher der Grösse eines Dieselmotors. Dadurch reisen vier Personen äusserst komfortabel, und der Kofferraum der Stufenhecklimousine fasst beachtliche 450 Liter. Eine reife Leistung!

Volldampf voraus
Wegen solcher Vorteile setzt der weltgrösste Autobauer auf die neue Antriebstechnologie. «Was in den ersten hundert Jahren der Automobilindustrie das Benzin war, wird in Zukunft der Wasserstoff sein», zeigt sich Toyotas Vizepräsident Tekechi Uchiyamada denn auch überzeugt. «Doch es wird Zeit brauchen, schliesslich haben wir für die erste Million Hybridfahrzeuge auch zehn Jahre gebraucht.» Heute bringen Toyota und Lexus pro Jahr eine Million Vollhybride auf die Strasse. Der Erfolg der sauberen Technologie hängt nicht zuletzt davon ab, wie rasch das Tankstellennetz gebaut wird. Dann hat der Wasserstoffantrieb eine glänzende Zukunft. Volldampf voraus!

Der Toyota Mirai gelangte im Dezember 2014 in Japan in den Verkauf und übertraf die Erwartungen auf Anhieb; in nur vier Wochen gingen 1500 Bestellungen ein. Diesen Herbst kommt der Mirai nach Europa. In der Schweiz wird Toyotas Zukunftsmobil wegen des noch fehlenden Tankstellennetzes erst 2017 erwartet, der Verkaufspreis steht noch nicht fest.

 

KRAFTWERK IM UNTERBODEN

Der Toyota Mirai speichert das Wasserstoffgas bei einem enormen Druck von 700 bar in einem Hochdrucktank (zum Vergleich: Tauchflasche ca. 200 bar). Im crashsicher unterbrachten Brennstoffzellen-Stack werden bei der so genannten kalten Verbrennung Wasserstoffmoleküle (H2) abgespalten und mit dem Sauerstoff aus der Luft zu Wasser (H20) oxidiert. Dabei wird elektrischer Strom generiert, der den Elektromotor antreibt oder den unter dem Laderaum untergebrachten Nickel-Metall-Hydrid-Akku auflädt.

Der Wasserstoff wird in Elektrolyse-Anlagen hergestellt – sie spalten Wassermoleküle in Wasserstoff und Sauerstoff. Dieses Verfahren ist äusserst energieintensiv. Unter Umweltaspekten nachhaltig wird es gleichwohl, wenn die Anlagen mit überschüssigem Wind- und Solarstrom betrieben werden. Dieser naturgemäss nur unregelmässig anfallende Strom lässt sich als Wasserstoff gut speichern. Nebst seinem Einsatz als Treibstoff soll er künftig auch zur Wärmeerzeugung oder Rückverstromung verwendet werden.

Durchschnitt aller in der Schweiz immatrikulierten Fahrzeuge 139 g/km.