Die Rennsport-Schmiede

Schnell und flexibel reagieren zu können, ist die Maxime im Motorsport. Für den Bau des modernen und repräsentativen Emil Frey Racing Centers in Safenwil war sie aber auch für Architekten, Bauarbeiter und den Bauherrn massgebend. Denn nur dadurch konnte das neue «Home of Emil Frey Racing» bereits ein knappes Jahr nach Baubeginn bezogen werden.

Seinen Rennoveral hat Lorenz Frey für diesen Fototermin gegen einen feinen Anzug getauscht. Auf die Krawatte verzichtet der Teamchef und Rennfahrer des Emil Frey Racing Teams, «das ist im Rennzirkus so üblich», erklärt er. Gelassen, doch voll auf seine Aufgabe konzentriert, den heutigen Fototermin zu begleiten, bewegt sich der CEO des Emil Frey Rennsportunternehmens auf dem glänzenden Fussboden in der sechs Meter hohen Halle, präsentiert souverän das Konzept und einen der Jaguar GT3. Sein eleganter Business-Look steht ihm gut – und passt bestens ins Ambiente.

Das neue «Home of Emil Frey Racing» in Safenwil ist ein modernes Rennsport-Entwicklungszentrum. Auf 1200 Quadratmetern Grundfläche bieten sechs voneinander abgetrennte Montage-Areas mit Hebebühnen grosszügig Platz für Rennboliden sowie die Arbeit der Mechaniker und Fahrzeugtechniker. Alles spiegelt sich auf dem weitläufigen polierten Hallenboden, der unter 14 Oberlichtern in Elfenbeinglanz erstrahlt, selbst dort, wo die blauen Racing-Trucks zum Be- und Entladen parkieren. Büros und Besprechungszimmer sind für eine offene Atmosphäre mit Glaswänden unterteilt und befinden sich wie der Fitnessraum, die Sanitärräume und eine Café-Lounge auf einer langen L-förmigen Galerie mit gläsernem Geländer. Der natürliche Farbton der riesigen Holzbalkendecke taucht die Halle in angenehmes Licht.

«Begonnen haben wir Ende 2016 und der Umzug war bereits im August 2017», sagt Lorenz Frey und bemerkt mit einem Augenzwinkern: «Das ist eine Bestzeit.» Die grösste Herausforderung dabei war, den Spagat zwischen praktikabler Werkstatt und repräsentativem Center mit edlem Showroom-Charakter zu meistern. Denn für die hochmoderne und noble Rennsport-Schmiede wurde eine bestehende Lagerhalle mitten in der Emil Frey Autowelt in Safenwil umgebaut, was das Projekt zusätzlich anspruchsvoll machte.

Gute Infrastruktur
Doch die zentrale Lage ist eine wichtige Voraussetzung für die Ziele des Entwicklungs- und Kompetenzzentrums: „Safenwil bietet uns beste logistische Bedingungen. Unsere Racing-Trucks erreichen die Autobahn in wenigen Minuten. Nationale wie internationale Kunden und Geschäftspartner finden schnell zu uns. Zugleich sind wir nah an Emil Frey Firmen wie der Classics AG oder Roos Engineering Ltd dran. Auch hat Emil Frey hier eine Carrosserie, Spenglerei und Lackiererei direkt am Platz – das ist für alle ein riesiger Vorteil, weil sich viele Synergien durch Maschinen und Kompetenzen ergeben, die wir optimal nutzen können. Wir sind sehr froh und dankbar, uns hier vergrössern zu können“, fasst Lorenz Frey zusammen.

Gezieltes Wachstum und Entwicklung
Seit der Gründung von Emil Frey Racing im Jahr 2012 ist das Team stark gewachsen. Ursprünglich mit einem Jaguar XK GT3 am Start, tritt man mittlerweile mit zwei GT3-Jaguar und einem Lexus RC F GT3 in zwei verschiedenen, hart umkämpften und prestigeträchtigen Rennserien an. In diesem Rahmen bestreitet das Team sogar 24-Stunden-Rennen mit den 300 km/h schnellen Jaguar-Boliden, stellt sich damit der härtesten Motorsport-Herausforderung überhaupt und hilft dem Lexus-Werk parallel dazu, ein Basis-Rennfahrzeug für den Profi- und den Kundensport zu entwickeln.

Neben besseren Voraussetzungen für das Emil Frey Racing Team, ist die professionelle Entwicklung von Rennfahrzeugen für namhafte Autohersteller im Safenwiler Racing-Center das erklärte grosse Ziel. Mit dem neuen Entwicklungszentrum kommt man diesem Vorhaben einen entscheidenden Schritt näher. Neben einem Fahrsimulator in der eigenen Halle verfügt die Emil Frey Classics AG in direkter Nachbarschaft über einen Motorenprüfstand, den das Racing-Team für die Entwicklungsarbeit an ihren Rennfahrzeugen ebenfalls nutzen kann. Im eigenen Werkstattbereich ist man ausserdem in der Lage, Metall zu bearbeiten, Fahrwerks- oder Motorenteile nach Mass herstellen, was durchaus auch für professionelle Fahrzeugrestaurierungen und einen Spezialisten wie Roos Ltd von Vorteil ist. Lediglich für Teile aus Carbon muss man mit Partnern ausserhalb der Emil Frey Gruppe zusammenarbeiten.

Als Krönung eröffnet das neue technische Know-how der traditionsreichen Emil Frey Rennsportabteilung noch eine ganz besondere Möglichkeit: «Bisher konnten wir Basisautos für den Rennsport aufbauen und deren Race-Performance verbessern. In Zukunft sind wir in der Lage, Rennfahrzeuge von Grund auf selber zu entwickeln, zu konstruieren und zu bauen», sagt Lorenz Frey.

Grosse Sache
Von der Buchhaltung bis hinauf zum Teamchef Lorenz Frey zählt das Rennsportunternehmen «Emil Frey Racing» 25 Teammitglieder. Dabei unterteilt sich die Rennsportabteilung intern organisatorisch in «Emil Frey Jaguar Racing» und «Emil Frey Lexus Racing». 20 Mitarbeiter – sechs Mechaniker plus ein Chefmechaniker, drei Design-Ingenieure, je ein Renn-, Daten- und System-Ingenieur, dazu ein Technischer Direktor, Teammanager, Einkäufer sowie zwei Marketing-Experten und eine Buchhalterin – arbeiten im Jaguar-Team. Das Lexus-Team zählt mit einem Technischen Direktor, Teammanager, Renn-Ingenieur, Mechaniker plus Chefmechaniker fünf weitere Mitglieder. An Rennwochenenden reicht das aber nicht aus. Besonders für 24-h-Rennen wächst die Mannschaft durch Truck- und Rennfahrer sowie verschiedenste Freelancer auf bis zu 55 Teammitglieder an.